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Humboldt-Universität zu Berlin - Stadt- und Regionalsoziologie

Prof. Marina Henning im Think&Drink Kolloquium

Wann 18.06.2012
von 18:00 bis 20:00
Wo Institut für Sozialwissenschaften, Raum 002
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Die Rolle des Habitus bei der Herausbildung von Netzwerkstrukturen

Obwohl sich das Konzept des sozialen Netzwerkes mit einer Reihe von empirischen Arbeiten in unterschiedlichen Kontexten immer stärker bemerkbar macht, konstituiert sich das Konzept eher als ein „Orientierungsstatement“ (Schenk 1984) und weniger als Sozialtheorie. Die Kritik an der Netzwerkanalyse basiert vor allem auf der Vernachlässigung der Eigenaktivitäten der Individuen eines sozialen Netzwerkes sowie den gesellschaftlich vorgegebenen handlungsrelevanten Normen und Wertorientierungen (vgl. White et. al. 1976, Wellman und Berkowitz 1988). Es kommt immer dann zu einem Erklärungsnotstand, wenn danach gefragt wird, wie sich existierende Netzwerke überhaupt herausgebildet haben, sich reproduzieren oder sich wieder verändern.

Ansatzpunkte für die Formulierung eines theoretischen Konzeptes zur Entstehung sozialer Netzwerken finden sich in der Habitus- und Feldtheorie von Pierre Bourdieu. Der Netzwerkanalyse liegt ebenso wie der Habitus- und Feldtheorie eine relationale Sichtweise zugrunde, die Anknüpfungspunkte für eine Verknüpfung beider Ansätze bieten.

Im Sinn der Habitustheorie können Netzwerkstrukturen als Muster sozialer Praktiken angesehen werden, denen tiefer liegende Strukturen zu Grunde liegen, die durch den Habitus der Akteure entstehen und verändert werden. Damit werden Soziale Netzwerke in ihrer Abhängigkeit von der Akteursposition in der Sozialstruktur und den damit verbundenen Handlungsdispositionen betrachtet und erklärt. Der Habitus als Bindeglied zwischen objektiven und subjektiven Beziehungen, wird dabei einerseits als Ausdruck der gesellschaftlichen Sozialstruktur und andererseits als notwendige Bedingung der Reproduktion der Praxis in Netzwerkstrukturen angesehen. Er liefert die Tiefenstruktur die nicht nur Ursache für bestimmte Formen des Denkens und Handelns ist, sondern auch der Interaktionsbeziehungen.

Im Rahmen des Vortrages werden die Grundannahmen der Habitus- und Feldtheorie von Bourdieu sowie der Netzwerkanalyse in ihren Begrifflichkeiten und Zusammenhängen skizziert, bestehende Gemeinsamkeiten und Unterschiede identifiziert, Verknüpfungsmöglichkeiten aufgezeigt sowie empirische Ergebnisse zum Einfluss des Habitus auf die Netzwerkstrukturen vorgestellt.

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